Carina Ari (in den 1960er Jahren)
Carina Ari,
Ende der 1960er Jahre 
(Foto: Dagens Bild)

Vorhergehendes Kapitel...Die Stifterin

In ihrer Geburtsstadt Stockholm war Carina Ari gänzlich unbekannt, sieht man von ein paar persönlichen Freunden von der Vorkriegszeit ab. Seit ihrem letzten öffentlichen Tanzauftritt waren zwanzig Jahre vergangen, samt eines Weltkrieges, der die Geschicke so vieler Menschen einschneidend veränderte. Tänzer geraten schnell in Vergessenheit; vielleicht, weil die aktive Berufszeit so kurz ist, weil man so früh aufhört. 

Um das Interesse der Massenmedien an Carina Ari zu wecken bedurfte es einer regelrechten Werbekampagne. Hatten die Presseleute dann Carina wiederentdeckt, war die Berichterstattung allerdings umfassender als je zuvor. Carina erfüllte das Dasein als allseits hofierte "Prominente" mit größter Genugtuung (und einer mit ihrem speziellen Humor getragenen Skepsis). Es fiel ihr nicht schwer, ein Medienobjekt zu sein - und ihr Charme blieb jedem, der sie traf, in Erinnerung - wobei die Journalisten keine Ausnahme machten.

Carina pflegte zu sagen, dass das Geld, das ihr in jungen Jahren geschenkt wurde, um Studien bei Fokine zu ermöglichen, die entscheidende Chance in ihrem Leben war. Nun wollte sie diese Wohltat an ihre Kollegen weitergeben. Carina unterschätzte die Kompetenz der schwedischen Tanzpädagogen keineswegs, doch der Tanz ist international und die Arbeit in anderen Metropolen und die Studien an Tanzschulen im Ausland sind eine wirkungsvolle Anregung und Abwechslung.

Sie gründete eine Stipendienstiftung. Freunde der Tanzkunst etablierten eine Verdienstmedaille in Carinas Namen, zu vergeben an Persönlichkeiten, die "der schwedischen Tanzkunst Ehre machen". Die Carina-Ari-Medaille wurde seit 1961 an über 60 Personen vergeben.

In Schweden gab es bereits ein einzigartiges Tanzmuseum, das in Gedenken von Rolf de Maré geschaffen wurde. Carina beriet sich mit mir, ob etwas derartiges auch in ihrem Namen geschaffen werden könnte - eine Institution, die für immer der Tanzkunst dienen könnte.

Was hätte wichtiger sein können, als eine große Bibliothek mit internationaler Literatur zum Tanz? So wurde die Carina Ari Bibliothek eingerichtet, die heute größte Forschungsbibliothek für Tanz in ganz Nordeeuropa. Sie ist recht gut mit Kapitalmitteln ausgestattet, um Bestandspflege und Neuerwerbungen durchzuführen.

Carina hatte nicht einen einzigen richtigen Verwandten. Von Mutterseite her lebte niemand und die Identität des Vaters war stets unklar geblieben. Bei einem ihrer letzten Besuche in Schweden erreichte Carina die Bitte, ein Krankenhaus im Hinterland aufzusuchen. Dort traf sie einen alten Mann auf dem Sterbebett. Was sie dort erfuhr, behielt sie für sich, doch ihre nahen Freunde glaubten, annehmen zu können, dass dies ihr Vater war, der Mann, der zeitweilig im Heim ihrer Mutter gewohnt hatte, als Carina klein war.

Carina hatte große Angst vor dem Tod. Doch sie sah ein, dass Sie Arrangements zu treffen hatte, was mit ihrem Vermögen zu geschehen hatte, wenn sie selbst eines Tages sterben würde. Ein Testament musste gemacht werden, das ihren Willen mit rechtlich für alle Zeiten gesicherten Formulierungen ausdrückte. Einer ihrer besten Freunde war der damalige Justizminister Herman Kling. Unter seiner Aufsicht ging der geschickteste Jurist, den der kannte, ans Werk. So begründete man eine neue Stiftung (neben der Medaillenstiftung und der Bibliothek), die als Universalerbe eingesetzt wurde. Die Carina Ari Gedächtinisstiftung konzentrierte sich auf drei Bereiche: Vergabe von Stipendien an junge Tänzer für Auslandsstudien, Unterstützung älterer Tänzer, besonders im Krankheitsfall, und schließlich die Förderung der Forschung über die Tanzkunst.

Im Herbst 1970 verunglückte Carina und trug einen Oberschenkelbruch davon. Für die Ärzte ein alltägliches Geschehen, aber Carinas Widerstandskräfte waren durch eine leichte Altersdiabetes angegriffen. Sie wurde operiert, doch die Wunde wollte nicht heilen. Nach einem langen Kampf hörte am Weihnachtsabend 1970 ihr starkes Tänzerherz auf, zu schlagen. Sie ruht in Holland an der Seite ihres Mannes.

Bengt Häger

Bengt Häger, Carina Ari, 1966
Carina mit Bengt Häger

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Das Testament

In den von Carina Ari selbst vorgegebenen Bestimmungen setzte sie als Stiftungsvorstand einige iher vertrautesten Freunde auf Lebenszeit ein. Andere waren für die Zeit ihres aktiven Tänzer- oder Berufsleben eingesetzt; Der Direktor der Stockholmer Oper, ein Repräsentant des schwedischen Verbandes der Tanzpädogogen, und ein spezieller Regierungsvertreter.

Beim Freiwerden eines Vorstandsplatzes bestimmt die schwedische Regierung die Neubesetzung. Außerdem sind drei Wirtschaftsprüfer mit der Überwachung der Finanzen betraut.

Das von Carina Ari hinterlassene Vermögen belief sich zum Zeitpunkt ihres Todes auf 12 Millionen Schwedenkronen. Bis zur Jahrtausendwende konnte das Vermögen der drei Fonds auf über 100 Millionen anwachsen und bildet damit das größte Stiftungskapital in seiner Art.

In all den Jahren wurden vom Gedächtnisfonds Tausende von Stipendien an junge Tänzer vergeben, ein halbes hundert ältere Tänzer bekamen regelmäßige Ehrenstipendien, und es konnte ein wachsendes Interesse für seriöse Forschungsprojekte angeregt werden. Dabei war es möglich, besonders internationale Bestrebungen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes, das von der Tanzkunst ausgeht, zu fördern.
 


© 2001 The Carina Ari Foundations

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