Carina als "Kosake" 1915
Carina als Kosake 1915

 

Carina Ari, Jean Börlin, Stockholm
mit Jean Börlin, 
Stockholm-Oper

Sylfiden 1917
Carina ("Sylfiden") 1917 

Carina Ari 1921
Carina Ari 1921

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Der Ballettunterricht der Stockholmer Opernschule war solide. Den zukünftigen Tänzern wurde gründlich der klassische, etwas steife Stil des vergangenen Jahrhunderts beigebracht. Von Choreographie hatte man bei der Leitung des Hauses noch nicht viel gehört. Das Ballettcorps wurde von den Opernregisseuren meist als Komparserie eingesetzt. Es sollte noch bis zum Ende des zweiten Weltkrieges dauern, bis den Tänzern das Recht zugesprochen wurde, sich ganz und gar ihrer eigenen Kunst zu widmen.

Michel Fokine (Mikhail Fokin) 1880-1942
Michel Fokine

Ein Mann wies jedoch schon früher neue Wege auf: Der Russe Michel Fokine, der Erneuerer des Balletts. Und die Stockholmer Oper besaß die Klugheit, dieses Jahrhundertgenie zu einem Gastvertrag zu verpflichten.

Fokines Stil und seine Ideen bedeuteten eine außerordentliche Stimulans für die schwedischen Tänzer, die von Fokine unterrichtet wurden und seine Choreographien interpretieren durften. Doch bereits zwei Spielzeiten später verfiel das Opernballett wieder in die Resignation.

Ein Mitglied des Ballettcorps wollte sich nicht damit abfinden, die tänzerische Zukunft ohne vollwertige künstlerische Erfüllung zu sehen: Carina. Sie hatte sich gerade als Solistin des Opernballets etablieren können, nicht zuletzt durch das Lob des Meisters Fokine. Und nun gab sie die sichere Anstellung auf, nur um einer höchst ungewissen Zukunft entgegenzugehen. Im Jahr 1918 gab es ohnehin tiefgreifende Veränderungen. Der erste Weltkrieg endete, und in Russland brannte die Revolution. Michel Fokine war dem Wüten entflohen und gründete eine Privatschule in der Nähe von Kopenhagen. Carina gelang es, einen schwedischen Bankier zu überreden, ihr die damals beträchtliche Summe von 5.000 Kronen für ein Privatstudium an Fokines Schule zu geben. Der Bankier, der ansonsten kein besonderes Interesse an Tänzern hegte, spürte, hier jemanden vor sich zu haben, die wusste, was sie wollte, und das schien ihm zu imponieren. Carina sagte später oft, dass diese Spende das erste Ballettstipendium Schwedens war: "Was ich damit vom Meister Fokine lernen durfte, sowohl sein neuer dramatischer Bewegungsstil als auch die Denkweise eines Choreographen, all das wurde zum Kapital meines weiteren Lebens."

Mauritz Stiller und "Erotikon"

Zurück in Stockholm, war Carina gleichwohl arbeitslos. Sie gab Unterricht für Gesellschaftstanz (eine üblicherweise ziemlich rentable Einnahmequelle, auch für klassische Tänzer). Eines Tages saß sie bei den Eltern einer Ihrer Schülerinnen zum Dinner und hatte als Tischnachbarn einen Filmregisseur. Es war der Entdecker der Garbo, Mauritz Stiller. "Erotikon" (Mauritz Stiller) 1920 Er war gerade an den Dreharbeiten für einen Film, bei dem die Hauptpersonen in die Oper zu gehen und in der Loge zu sitzen hatten. Irgendetwas mussten sie sich ja anschauen, und genau das war auch das Problem: Noch war der Film ohne Ton und in einem Stummfilm machen sich Opernsänger mit aufgerissenen Mündern, nur begleitet vom Kinopianisten, allenfalls komisch. Da war es schon besser, ein Ballett zu zeigen. Und Stiller fragte seine Tischdame um Rat, die nicht lange überlegte, ob sie sich für die Aufnahmen Zeit nehmen würde. "Doch wer soll die Bewegungen komponieren?" - "Das mache ich auch", versicherte Carina keck. "Ich wurde von Fokine als begabter Choreograph anerkannt!"

Und so geschah es. Stiller hatte keine Ahnung, welches Risiko er da einging, und Carina hatte eine genaue Vorstellung davon, was zu tun war. Die Choreographie war an sich nicht herausragend, doch durchgehend im östlich geprägten Stile Fokins. Carinas Tanz war sinnlich und entsprach in der übertriebenen Dramatik ganz der Art, wie man damals in Stummfilmen agierte. Diese Ballett-Einlage von Carina ist möglichwerweise diejenige Szene des Stiller-Films Erotikon (1920), die man sich heute am ehesten noch einmal anschauen kann.

Trotz des Filmauftritts war Carina weiterhin eine "freie" Tänzerin ohne festes Einkommen. Doch der große Sprung stand bevor. Die internationale Tanzwelt wartete...

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